ein ernstes wort an die piraten!
tags: demokratie, netzpolitik, netzzensur, piratenpartei, xingder folgende artikel sollte eigentlich ein kommentar in einem anderen blog werden. wurde aber immer länger und landet jetzt direkt hier.
hintergrund: xing hat ein wahlportal zur bundestagswahl eingerichtet, in denen die “etablierten parteien” eigene gruppen haben. die piratenpartei wollte auch so eine gruppe, und xing lehnte ab. siehe den angesprochenen beitrag hier. dort ist jetzt natürlich die empörung gross, wie könnte xing denn nur und überhaupt.
weshalb ich wie gesagt dort kommentieren wollte, es aber mal direkt hier mache, weil mir das schon länger auf der seele liegt:
ich bin mir nicht sicher, ob es den piraten schon aufgefallen ist, aber ihr lauft in meinen augen krass gefahr, euch als übermotivierter online-haufen deutlich zu verrennen.
ihr erzwingt euch mit grosser mobilisierung gruppen und partei-stati auf verschiedenen plattformen, die keine sonstige mini-partei hat (und das seit ihr nunmal (noch))
ihr hüpft auf jede online-umfrage, um euch in die 90%-region zu ballern. siehe u.a. xing.
ihr seit (offenbar) in der lage, webseiten dichtzuschiessen, wie man an den heutigen ausfällen bei xing ja sehen kann.
und denkt nun, weil ihr das drauf habt, seit ihr eine etablierte partei?
mit verlaub, aber davon seit ihr noch weit entfernt!
ihr habt bei der europawahl gerade mal 0,9% der richtigen wähler von euch überzeugen können und ich kenne keine umfrage, die euch aktuell in anderen bereichen sieht. vielleicht solltet ihr eure ganze mobilierungskraft auch mal darauf verwenden, die wähler (ausserhalb des netzes)
- davon in kenntnis zu setzen, dass es euch gibt
- über euer anliegen zu informieren und
- um ihre stimmen zu werben.
denn sonst wird das nix mit der etablierung.
(begrenzte) kanäle mit eurer massivität zuzuballern hat in meinen augen nichts mit der zielgerichteten teilhabe an politischen prozessen zu tun. im gegenteil, es sind die gleichen werkzeuge, wie bei den leuten, die manager festsetzen, anzutreffen sind. damit erzeugt man zwar eine kurzfristige, begrenzte reaktion bzw. aufmerksamkeit - an den verhältnissen, bzw. die dahinterstehenden mehrheiten, ändern diese aktivitäten aber rein gar nichts!
was unter anderem daran liegt, dass man sich ja nur relativ schwache “gegner” rauspickt.
demokratische legitimation kommt aber nicht daher, dass man in der lage ist, einzelne zu überrennen, sondern von der unterstützung durch breite bevölkerungskreise.
und nicht, ob eine private (!) firma (!!) von ihrer klaren ansage, politik nicht so gern zu haben, mal etwas abweicht und sich dann als möchtegern-wichtig da mit reindrängeln zu wollen. ich an der stelle von xing würde als reaktion den ganzen bereich “wahl.xing.com” einfach dichtmachen - denn repräsentativ wird es eh nicht zugehen.
was an der aktuellen wahlumfrage bereits zu belegen ist: wer mag wohl hinter 85% “sonstige” stecken!?
abschliessend, zur klarstellung:
ich bin selber ein netzaffiner mensch und teile die positionen der piratenpartei fast uneingeschränkt. ich habe auch sehr, wirklich sehr viel sympathie für diese neue gruppierung. denn auch wenn ich die belange eines freien internets bereits bei der fdp und teilen der grünen durchaus gut aufgehoben sehe, kann ein wenig schub aus dem netz der debatte zu netzsperren und co. sicher nur guttun.
wenn sich die piraten aber als “durchgeknallter nerd-haufen” herausstellen sollten, die wie oben angesprochen nur ihre grosse präsenz im netz zur schau stellen, aber faktisch in der offlinewelt nicht ankommen bzw. irgendwann aufgrund ihrer methoden sogar abgelehnt werden, dann, liebe piraten, habt ihr 1. nichts gekonnt und 2. eurem anliegen perspektivisch eher schaden zugefügt!
denn dann werden die internetausdruckenden politiker mit leichtigkeit auf diesen überdrehten haufen zeigen und (zurecht!) darauf hinweisen, dass man sich von einer tobenden (man könnte auch ganz böse formulieren: radikalen) minderheit nicht die themen diktieren lassen will. denn die mehrheit sieht es ja anders. (zumindest wählt sie anders…)
also kümmert euch bitte um diese (offline!) mehrheiten, wenn euch euer anliegen tatsächlich so viel zeit und engagement wert ist, wie ihr zumindest im netz vorgebt.
und tut nicht so, als gehörte das netz und die verschiedensten online-plattformen wie selbstverständlich euch. ihr seit dort, wie auf fast jedem server, immer zunächst mal nur zu gast.
last-not-least: politik ist ein sehr zähes ding. schaut euch an, wie lang es gedauert hat, bis sich die grünen bzw. grüne themen festgesetzt haben. setzt nicht eure netz-geschwindigkeit, oder die relativ flotte parteigründung und zulassung als masstab für übliche politische prozesse fest. sonst werdet ihr euch am ende nur noch frustrierter abwenden…
nachtrag: wie zum beweis, während ich den beitrag schrieb und den einen oder anderen link nochmal rausgesucht hab, war xing erneut für einige minuten tot. wahl.xing.com ist es immer noch… so kann man es sich im netz am ende im übrigen auch verscherzen!
am 5. August 2009 um 20:04 uhr
und noch eine bestätigung meiner “die piraten drängeln sich überall rein”-these, gerade frisch auf twitter:
am 5. August 2009 um 20:09 uhr
Hi,
ich verfolge die Aktion von XING schon seit heute Mittag, und muss sagen, dass ich dir einerseits zustimme, dass es nicht sein kann, das jemand ein Script auf wahl.xing.com los lässt, nur um die “Sonstigen” über 90% zu pushen… aber andererseits kann es mMn auch nicht sein, dass XING die Auswahlkriterien nach und nach anpasst, nur um ja nicht mehr als die Standardparteien abzudecken (erst “Parteien im aktuellen Bundestag”, dann “Parteien in fraktionsstärke im aktuellen Bundestag”) (siehe Boomels Blog)
Wer sich an der demokratischen Meinungsbildung zur BTW beteiligen will, sollte auch auf entsprechende Meinungen eingehen - Was XING nun ja auch tut (laut XING Blog kriegen die Piraten ein Forum …)
Gruß,
Michael R.
am 5. August 2009 um 20:21 uhr
Auch die Piraten werden noch ein reinigendes Gewitter erleben (oder wieder von der Landschaft verschwinden. oder beides.)
am 5. August 2009 um 20:24 uhr
Das ist down weil xing daran rumschraubt!!!!
Von wegen in die offline Welt vordringen:
google mal nach “piratenpartei infostand”…
Politik ist dreckig, aber warum PIRATENPARTEI?
Weil es gilt bis hierher und nicht weiter!
Ich geb dir einen Tip, wenn du weiterhin frei schreiben willst, dann unterstütze die Piraten. Der Wahnsinn nimmt Formen an der bestimmte Internetseiten , abseits von Kipo-Content, verbieten will (Glücksspiel, Clanseiten, rechte Seiten, etc.) - das ist die größere Gefahr als eine demokratisch aufstrebende Piratenpartei. Wer sagt nicht das deine freie Meinung dem Staat schadet und du zensiert gehörst? Das darf nie passieren!
Thema rechts:
Ein Staat , der diese zugegebenermaßen ekligen Themen , wie Rechtsextremismus, verbieten will kommt in die Bredoullie das er nicht mehr an diese Kreise mit normalen Mitteln rankommt. Es ist keine Diskussion mit diesen Ärschen möglich und somit versagen Nüchternheit, Intelligenz und Klarheit, sprich es gibt dem rechten Gesockse erst richtig auftrieb und wir haben keine Chance Individuen aus diesen Kreisen zu holen. BaWü stand heute in ner Agenturmeldung erlaubt das von der Schule schmeissen wenn jemand rechtsextremes Gedankengut offensiv verbreitet, und dann? Ist er weg von der Bildungseinrichtung und kann erst richtig in seiner kranken rechten Gedankenwelt aufblühen, super Idee…
Bei Xing handelt es sich um eine wichtige Plattform mit etlichen Kulturschaffenden. Das Internet verändert gerade Märkte und stellt sie vor krassen Veränderungen. Hier zu nenen wäre Filmproduktionen, Musik, Kunst, Fotografie, Texte, Verlage und Wissen, etc. zu erwähnen. Das Problem ist das eine Datenkopie nur noch ein paar Cent Strom kostet. Hier muss dringendst reformiert werden, aber eben nicht durch Kontrolle und Zensur sondern für den Privatgebrauch FREI. Freies Wissen ist die einzige Möglichkeit wie wir mit einer Welt der Überbevölkerung klarkommen können.
Schlimmer noch sieht das ganze in der Politik und unserer Gesellschaft aus:
Politik zum Wohle weniger ohne Möglichkeiten demokratisch eingreifen zu können. Die Missachtung von Mehrheiten (Atomkraft, Krieg, Schuldenbergen, EKEL-Lobbyismus etc) gepaart mit einer “Dummheitsvermutung” (googlen Zeit Kommentar).
So geht das nicht weiter!
Das beste wäre gewesen Piraten übernehmen die Macht in ihren bestehenden Parteien, aber schau dir doch mal an wie die junge Generation behandelt wird, sie zählen einfach NICHTS!
Die Piraten wenn es nicht geben MÜSSTE, könnten wir uns viel ersparen, da geb ich dir recht. Wer aber nicht erkennen will das in Deutschland und weltweit etwas passieren muss, der muss es durch Machtentzug und Belehrung spüren!
Alle Piraten die ich bis jetzt kennengelernt habe sind friedliche meist junge Leute , die sich ihre Selbstbestimmung nun politisch holen wollen.
Erst wird geschimpft das Politikverdrossenheit existiert, kaum macht man was rüttelt man an den alten Strukturen, scheisse ne?
Ich hoffe das dieser Wechsel schnell von Statten geht, sonst wird es richtig übel werden… deswegen JETZT KLARMACHEN ZUM ÄNDERN!
am 5. August 2009 um 20:29 uhr
Du tust je gerade so als ob irgendwo ein Oberpirat sitzt und seine Netz-Massen auf zerstörungsmissionen schickt
Wir Piraten sind nunmal sehr gut vernetzt und aktiv online, is doch klar das man bei solchen umfragen mitmacht.
Und mit unserem Offline Aktivitäten hat das mal garnix zu tun, oder glaubst du ernsthaft das irgendwo ein Pirat sitzt und sich sagt
“Och ne…. heute geh ich keine flyer verteilen weil im netz kann ich viel cooler umfragen bashen”
Ich denke nicht
Grüsse
Andi
am 5. August 2009 um 20:30 uhr
Hallo fifi,
vielen Dank für Deine konstruktive Kritik, die sich hoffentlich möglichst viele aktive Piraten und unterstützende Freibeuter zu Herzen nehmen.
Klarmachen zum Ändern!
Mirco da Silva aka midas
Spitzenkandidat der PIRATEN zur Wahl des 5. Sächsischen Landtags am 30. August 2009
am 5. August 2009 um 20:35 uhr
@boomel:
“Das ist down weil xing daran rumschraubt!!!!” -> das ist zunächst mal deine / eure interpretation.
xing ist ein professionelles unternehmen, dass würde wohl eine richtige “wir sind gleich wieder da” seite hinstellen, wenn es was zu ändern gäbe. oder findest du nicht auch?
offline-xing sieht mir eher nach attacke aus. und genau hier sollten, nein: müssen sich die piraten die frage gefallen lassen, welche mittel sie einsetzen. und ob das die richtigen sind.
zu dem weiteren text, da gehe ich ja weitestgehend mit. mein frust über die internetausdrucker geb ich zwar nicht täglich zu protokoll, ist aber nicht unerheblich. trotzdem hab ich keine brechstange in der hand, und habe auch nicht den anspruch, gleich das ganze system in frage zu stellen. was man bei dir durchaus rauslesen könnte…
am 5. August 2009 um 20:39 uhr
lol http://blog.xing.com/2009/08/bundestagswahl-2009-bei-xing Piratenpartei bei Xing dabei
Merci Xing!
am 5. August 2009 um 20:40 uhr
@mirco: immer wieder gerne.
am 5. August 2009 um 20:47 uhr
Ziel der Piraten ist andere davon zu überzeugen, dass sie nicht nur eine Spaßpartei sind. Das zeigt schon allein die Kommentare in der Rubrik “Fragen an Aaron Koenig(Piratenpartei)” bei “Ihr fragt, Politiker antworten”. Dauert wird die Frage nach Tauss gestellt und die unzähligen Stellungnahmen, das immer noch die Unschuldsvermutung gilt, werden überlesen. Oder eben die Unterstellung, die Piratenpartei sei nur eine Spaßpartei und sie sollen es mit der Wahl sein lassen, findet sich oft dort.
Die Piraten wollen einfach überall ansprechbar sein, um mit Vorurteilen aufzuräumen und auf Fragen antworten zu können. Deshalb dieses “aufdrängeln”.
Und warum sollten nur die etablierten Parteien so eine Chance erhalten sich zu präsentieren? Jede zur Wahl zugelassene Partei sollte soetwas wahrnehmen können.
am 5. August 2009 um 20:53 uhr
@icke: weil es natürlich einer privaten firma selbst zusteht, zu entscheiden, wer bei ihr eine gruppe bekommt. oder auch nicht.
wenn die piraten das nicht zugestehen, dann müssen sie sich direkt als nächstes fragen lassen, wie es eigentlich mit dem zugeständnis der freiheit des anderen verhält.
ich gestehe den piraten ihre guten absichten ja noch zu. andere tun es nicht. zum politischen handwerk gehört es dann auch, dafür zu sorgen, dass sich diese wahrnehmung ändert.
totgeschossene server und penetrantes überrennen von allem, was einem im netz vor die flinte kommt, zähle ich nicht zu den zielführendsten methoden…
am 5. August 2009 um 20:54 uhr
autsch, böse wiederholeritis im letzten kommentar…
am 5. August 2009 um 20:55 uhr
Guten Abend,
“ihr erzwingt euch mit grosser mobilisierung gruppen und partei-stati auf verschiedenen plattformen, die keine sonstige mini-partei hat (und das seit ihr nunmal (noch))”
Die interessante Frage erscheint mir doch eher, welche Spielregeln wir an ein demokratisches Miteinander anlegen wollen. Von Plattformen, die sich dazu entscheiden über den Bundestagswahlkampf zu informieren, darf und müßte erwartet werden, daß sie dies umfassend und unter Berücksichtigung aller legitimer Parteien vollziehen. Man muß dabei nicht den Fokus auf die Piraten legen - auch alle anderen Kleinstparteien sollten das Recht genießen, ihre Ansichten und Programme vorstellen zu dürfen - unabhängig davon, wieviele Prozente sie letzten Endes für sich gewinnen können. Andernfalls könnte letztlich der Eindruck entstehen, daß eine Parteienstruktur der 5 etablierten zementiert und als die ultima ratio ausgegeben wird.
Als Grenzfall erachte ich hingegen den Umgang mit NPD/DVU und anderen extremen Parteien, die mittels der Möglichkeiten des demokratischen Systems selbiges von Innen heraus bekämpfen wollen. Hier bin ich - und ich bin mir des Widerspruchs bewußt - klar für eine Ausgrenzung.
“ihr seit (offenbar) in der lage, webseiten dichtzuschiessen, wie man an den heutigen ausfällen bei xing ja sehen kann.”
Die Gefahr des “dichtschießens” trägt jede verfügbare Seite im Internet. Schreibe ich einen Artikel, der, aus welchen Gründen auch immer, eine große Anzahl an Internetnutzern begeistert, kann unter dem Ansturm des Interesses die Bandbreite meiner Seite in die Knie gehen. Biete ich ein Angebot, das viele Nutzer begeistert oder interessiert, kann selbiges Auftreten - ich erinnere mal an Spreeblick satirische Auseinandersetzung mit Jamba vor einigen Jahren, welche die Seite auch teilweise zusammenbrechen ließ. Dennoch sind solche Vorfälle - so ärgerlich sie auch sein mögen - kein absichtsvolles, schädigendes Verhalten, sondern resultieren letztlich nur aus der gesteigerten Nachfrage nach dem Inhalt.
Die andere Lesart wäre, daß du einigen “Masterminds” unterstellst ihren “Cybermob” auf Webseiten loszulassen, was man mitunter als Bezichtigung einer Straftat werten könnte.
Und abschließend: Ich empfinde es nach wie vor als höchst interessant, welche Einstellung hier bezüglich des Umgangs mit Klein- und Kleinstparteien zu Tage tritt, unabhängig davon, wie man nun zu den Piraten steht. Von einer Wahlzentrale oder wie man es auch immer nennen möchte, erwarte ich mir die möglichst neutrale und informative Auseinandersetzung mit allen zugelassenen Parteien - alles andere ist auch nur Wahlwerbung, wenngleich auch nach einem Schema Groß vs Klein.
am 5. August 2009 um 21:29 uhr
“Von Plattformen, die sich dazu entscheiden über den Bundestagswahlkampf zu informieren, darf und müßte erwartet werden, daß sie dies umfassend und unter Berücksichtigung aller legitimer Parteien vollziehen.”
Sorry Esessan aber das ist doch Blödsinn. Letztlich gehört zur Pressefreiheit, dass man sich schon noch aussuchen darf, über wen man berichtet und wen man wie berücksichtigt. Es besteht einfach kein Anspruch auf “Vollständigkeit”, dazu ist das Parteienspektrum außerhalb des Parlamentes auch einfach zu groß. Ich zum Beispiel würde mir die “Elefantenrunde” am Wahlabend sicherlich nicht ansehen, wenn dort nicht bloß sechs, sondern 20 Parteienvertreter rumsitzen und jeweils erklären, warum sie in Wahrheit die Wahlgewinner sind - darauf müsste es dann aber aus Fairnessgründen hinauslaufen.
am 5. August 2009 um 21:30 uhr
Hallo fifi,
wenn ich das richtig verstanden habe meinst du, “die” oder zumindest ein Pirat (im Sinne eines Mitgliedes der PIRATEN Partei) haette Xing abgeschaltet?
Abgesehen davon, das nicht bewiesen ist, das Xing den angeblichen Ausfall selbst verschuldet hat, hast du gleich den Taeter ausgemacht?
Wie?
Gruss
Photon
am 5. August 2009 um 21:37 uhr
@jan, um genau zu sein: 27! 6 etablierte und weitere 21 zugelassene zur bundestagswahl … das wäre mal was, als elephantenrunde
am 5. August 2009 um 21:57 uhr
@photon: habe ich natürlich nicht. und nein, ich unterstelle hier niemandem, etwas strafbares getan zu haben.
vielleicht hat es xing auch nur wg. der massen an politiksüchtigen, die sich das portal anschauen wollten, einfach aus den schuhen gehoben.
das aber ausgerechnet in dem moment die kiste streikt, wenn sich bei den piraten die empörungswelle regt … nun gut, dass mag jeder selber bewerten.
achja, nehmen wir mal an, es wäre nur der crowd-effekt, weil die meldung durchs netz ging: “xing sperrt die piraten aus” - dann lässt sich natürlich die frage an, warum die vielen piraten (bzw. deren sympathisanten) vorher kein interesse an xing (bzw. wahl.xing.com) hatten, jetzt aber unbedingt erstmal auf “sonstige” klicken müssen.
für mich wirkt das ein wenig nach ungebremster herde…
am 5. August 2009 um 22:12 uhr
Hallo Jan,
Ich weiß nicht, ob das Blödsinn ist - vielleicht ist es ein Idealzustand, der nicht erreicht werden kann, aber der Weg dahin könnte für eine partizipatorische und pluralistische Demokratie durchaus lohnend sein.
Ich bleibe mal beim Beispiel Xing, muß hier aber auch dazu sagen, daß ich Xing nicht nutze und dies nur der Blick eines Außenstehenden ist:
“Für viele Branchen und Industrien werden in der Politik richtungsweisende Entscheidungen getroffen, die unternehmerisches Handeln beeinflussen. Auch aus diesem Grund ist die Bundestagswahl ein wichtiges Thema für unsere Mitglieder und so möchten wir Sie dabei unterstützen, sich auf XING auch über politische Themen auszutauschen.
Nun haben Sie die Möglichkeit, den direkten Kontakt zu Politikern und Parteien zu suchen und zu finden. Stellen Sie Ihre Fragen direkt an die Politiker über die XING Plattform und tauschen Sie sich mit anderen politikinteressierten Mitgliedern über aktuelle Trends oder die neuesten Ergebnisse der Sonntagsfrage aus. Wir freuen uns, dass die Parteien eine eigene Gruppe auf XING starten und haben zur besseren Übersicht zusätzlich für die Bundestagswahl eine Microsite eingerichtet, auf der Sie neben den Gruppen wöchentlich wechselnde Umfragen rund um die Wahl finden.”
Ich lese aus diesem Statement von Xing durchaus den Anspruch heraus, eine Plattform etablieren zu wollen, die einen Austausch über Politik erlaubt - und dies beinhaltet meiner Meinung nach auch Raum für Minderheiten des politischen Spektrums einzuräumen (Ausnahme wie gesagt Parteien des extremen Spektrums). Möglicherweise ist meine Formulierung des “informierens” hier falsch gewählt, denn, wenn es sich mir richtig erschließt, bietet Xing “ja nur” Austauschforen in parteieigenen Gruppen, ergo die Nutzerschaft steuert den eigentlichen Inhalt und die eigentliche Information (Pro oder Contra einer Parteiposition) bei bzw. die Partei kann ihre Positionen auf dem Portal in ihrer Gruppe vertreten und in einen Prozeß des kommunikativen Austauschs mit den Nutzern treten.
Wenn dem aber so ist, wirft sich damit zugleich wieder die Frage auf: Warum nur Partei A und Partei B, nicht aber Partei C, die ja ebenso vom Wahlausschuss anerkannt wurde.
Letztlich entsteht dabei nur der Eindruck, daß Meinungsaustausch nur zu bestimmten Gruppen erwünscht ist bzw. fokussiert werden soll und das das Meinungsspektrum von politischen Kleingruppen/-parteien kein Gehör finden soll. Warum? Zu den Errungenschaften der demokratischen Kultur gehört - meines Erachtens - der Austausch von Positionen im kritischen Dialog und um solch einen Dialog erst vernünftig führen zu können, wäre es ratsam alle Stimmen zu Gehör kommen zu lassen. Alles andere suggeriert nur, daß kleine Parteien eh nicht beachtenswert sind.
Punkt Pressefreiheit: Greift hier meines Erachtens nicht, eher die Freiheit des Unternehmens zu entscheiden, was es in seinem “Haus” anbieten möchte. Aber! : Ein Unternehmen, das sich dazu entschieden hat sich möglichst unabhängig der Wahl zu widmen (und die Bereitstellung von Kommunikationskanälen gleich welcher Art setzt das nach meiner Auffassung voraus), muß sich ab dem Punkt auch der besonderen Verantwortung bewußt werden, insbesondere wenn es sich dabei um ein social Network handelt, dessen ihm für gewöhnlich innewohnendes Potential schnell auch in Richtung Manipulation abdriften kann.
Was die Elefantenrunde angeht: die empfinde ich mit 6 Vertretern schon als enervierend.
am 5. August 2009 um 22:18 uhr
Hallo fifi,
ich halte es für eine Unterstellung den Piraten vorzuwerfen sie würden die Wahl Seiten mutwillig überlasten. Das auf Xing die Sonstigen so ein großen Anteil haben liegt einfach daran das Online keine representative Umfrage möglich ist (zeigen ja auch viele andere Beispiele). Xing hat ausserdem den Ansturm völlig falsch eingeschätzt, warum den Fehler bei den Nutzern der Seite suchen?
Allerdings gebe ich dir Recht was die offline Arbeit der Piraten angeht. Aber du musst auch sehen, dass sie bei weitem nicht die finanziellen Mittel haben wie andere Parteien und auch nicht soweit verbreitet sind um in so einem Maß Wahlkampf zu führen wie die Großen.
mfg
am 5. August 2009 um 22:26 uhr
@elessan: das man bei xing in der politik-gruppe auch über die piraten-positionen diskutieren kann, räumst du aber hoffentlich ein?
es geht ja nicht drum, eine politische gruppe rauszuhalten (wie zb bei den nazis…), sondern um die form der darstellung. die im bundestag vertretenen parteien haben eine eigene gruppe (= eigenes forum), die anderen müssen sich in der allg. politik-gruppe organisieren. mag unfair sein, aber bei weitem ist es nicht der untergang des abendlandes.
den heute erlebten sturm durchs netz dazu rechtfertigt es in meinen augen in gar keinem fall.
am 5. August 2009 um 22:27 uhr
Elessan,
irgendwas in unternehmenseigene Aussagen hineininterpretieren ist in Ordnung, nur am liebsten erzwingen wollen, die Realität dieser Interpretation anzupassen geht ja trotzdem nicht. Würde Xing das so sehen wie du, würden sie ohne Druck auch so handeln. Und es ist doch überhaupt nichts Ungewöhnliches, dass man sich auf diejenigen Parteien versteift, die im Bundestag vertreten sind (und bevor du mir mit Tauss kommst: Andere Fraktionslose werden natürlich dort auch nie berücksichtigt). Wenn man aus verschiedenen - und wie ich meine durchaus vernünftigen - Gründen nunmal nicht sämtliche denkbaren politischen Gruppierungen berücksichtigen möchte, dann muss man irgendwo eine faire Grenze ziehen. Dass an der Existenz einer Bundestagsfraktion festzumachen ist üblich und irgendwo doch auch pragmatisch.
Um aber mal deinen Gedanken weiterzuspinnen: Müsste nicht eigentlich die 5%-Hürde aus den gleichen Gründen wegfallen? Würde mich mal interessieren, wie konsequent du in diesem Punkt bist;)
am 5. August 2009 um 22:32 uhr
@jan: wg. der 5%-hürde, ich will ja keine antwort voraus nehmen, aber ich vermute, diese forderung wird sicher kommen
hab ich aus dem letzten posting eigentlich schon so rausgelesen… und kann man sicher für streiten. dann würde ich mir aber eigentlich auch wünschen, die piraten würden bei solchen dingen, wie bei der xing-thematik, nicht nur nach “nehmt die piraten auf” schreien, sondern “nehmt alle auf”. das wäre wenigstens konsequent. fände ich aber auch nicht besser
am 5. August 2009 um 22:35 uhr
Hi,
Du schreibst “…ihr erzwingt euch mit grosser mobilisierung gruppen und partei-stati auf verschiedenen plattformen…”
Aber darf ich nicht bös gemeint, aber provozierend Fragen was dann die “großen/etablierten” Parteien im Internet machen? Sollten sie nicht lieber Parteitage, Wahlveranstaltungen und co machen?
Die Piraten sind aus dem Netz und seiner Behandlung durch die aktuelle Politik hervorgekommen, es gilt die Demokratie und Mehrheitsmeinung und deshalb haben die Piraten auch jedes Recht Umfragen im Netz zu dominieren.
am 5. August 2009 um 22:46 uhr
@schtief: ja, dürfen sie. ich finde es lästig, weil diese “umfragen” damit ihren (eh schon geringen) wert komplett verlieren. aber damit kann ich leben.
wichtig ist mir vor allem: die piraten sollten sich nicht der illusion hingeben, nur weil sie im netz ganz vorne mitspielen (bzw. sogar deutlich führen), dass sich daraus automatisch irgendeine politische relevanz, oder gar ein erfolg bei der bundestagswahl ergibt.
diesen eindruck, des kollektiven selbstbetrugs, muss man aber zunehmend bekommen.
zu deiner frage: parteien haben die aufgabe, sich um die belange der bürger zu kümmern. natürlich auch im internet. wäre ja noch verrückter, wenn die piraten so eine “ihr kommt hier nicht rein”-mentalität hochziehen würden. was hätte das dann noch mit offener diskussionskultur zu tun?
am 5. August 2009 um 23:00 uhr
@fifi
Im Gegensatz zu den anscheinend gebremsten Herden der anderen Parteien?
Bei Twitter wird schon stark fuer die Unterstuetzung der Parteien bei Xing aufgerufen, aber merkwuerdiger Weise auch und insbesondere von der CDU.
Du kannst die Uebermacht der PIRATEN im Netz betrachten wie du willst, um sie herum kommst du nicht mehr. Sie sind in diesem Medium zu Hause und diese Internet-Indigenen erheben die Stimmen (auch in Form von Online Votes) um auch in der analogen Realitaet als Waehlergruppe wahrgenommen zu werden. Und es kommt noch schlimmer: Das ist nur die Vorhut. Jedes Jahr werden neue Digital Natives stimmberechtigt und eine neue Generation greift nach der Macht. Mittelfristig jedenfalls.
Meine laengerfristige Prognose: Die CDU stirbt aus, die SPD rutscht weiter mangels Konzept in die Spalte “Sonstige Parteien”. Die Spaß-Partei FDP … mal sehen wohin die gehen.
Ich schaetze nicht, dass du mir zustimmst.
am 5. August 2009 um 23:13 uhr
… hat gerade zwei kommentare (20:09 und 20:39) aus dem spam gefischt. akismet war da wohl etwas vorschnell … nur der vollständigkeit halber!
am 5. August 2009 um 23:21 uhr
@photon:
was die cdu macht kann mir ehrlich gesagt egal sein. das trifft auch auf die piraten zu. ich bin lang genug im “internet-geschäft”, gerade auch, was politik betrifft, um die mechanismen nicht zu kennen und einzuschätzen.
und wenn die piraten eben alles dominieren wollen, was sie im netz finden, bitte, sollen sie.
aber zieht daraus nicht die falschen schlüsse. wie du ja gerade auch.
die piraten müssen erstmal überhaupt in ein parlament kommen. und sich dort beweisen. was am beispiel anderer parteien schon häufiger schiefgegangen ist… und dann schauen wir weiter.
bis zum beweis des gegenteils sind die piraten aber nix weiter, als ein (zugegeben: gut vernetzter) haufen von internet-nutzern, die primär der groll gegen die internetausdrucker zusammengeführt hat. ob das als politische mission reicht? ich hab so meine zweifel.
zu deiner prognose: da ist ja auch ein stück weit wunschdenken drin, das ich tw. ja sogar teilen würde
ich gehe vielmehr davon aus, dass die “volksparteien” ihren nimbus dauerhaft verlieren werden und damit natürlich auch luft für weitere veränderungen entsteht.
am 5. August 2009 um 23:26 uhr
@photon: achja, es spricht im übrigen nicht unbedingt für die piraten, wenn sie die fdp nur anhand älterer vorkommnisse (gr. lauschangriff & spasswahlkampf) beurteilt. würdet ihr genauer hinschauen, würdet ihr an vielen stellen einen thematischen verbündeten finden. könnte vielleicht mal wichtig sein, wenn man weiterhin ausserparlamentarisch nur zuschauen muss, wie internetausdrucker mist bauen…
am 6. August 2009 um 00:00 uhr
@fifi
Wie kannst du von einer derart jungen Stroemung gleich erwarten, dass sie bereits im Parlament ist, bevor ueberhaupt die erste Wahl stattfindet, bei der sie aufgestellt ist?
Im Übrigen muss man die FDP doch anhand von irgendetwas berurteilen, warum nicht zuerst anhand der vollbrachten Taten. Da spricht der Gr. Lauschangriff nicht unbedingt fuer eine buergerrechtliche Ausrichtung der Partei. Aber gerne beurteile ich sie auch anhand aktueller Denken: Das maßlose Vertauen in diese mystische “Selbstheilungskraft des Marktes” halte ich fuer fahrlaessige Systemdestabilisierung. Manchmal scheint es mir, als laege der FDP mehr an der Freiheit des Eigentums als an der des Menschen.
Im Uebrigen bin ich kein Repraesentant der PIRATEN, nur einer von vielen, der sich Gedanken macht und genug Informationen zu Verfuegung hat, um dem politischen Theater das Vertrauen zu entziehen.
Insofern freue ich mich, eine fortschrittsfreundliche Wahlmoeglichkeit zu haben, die noch nicht durch ein starres Spitzenpersonal beherrscht wird, wie die FDP es wird.
am 6. August 2009 um 00:17 uhr
> (begrenzte) kanäle mit eurer massivität zuzuballern hat in
> meinen augen nichts mit der zielgerichteten teilhabe an
> politischen prozessen zu tun. im gegenteil, es sind die
> gleichen werkzeuge, wie bei den leuten, die manager
> festsetzen, anzutreffen sind
Was wäre, wenn es anders ist? Zum Beispiel so: da wird ein
Link auf einer öffentlichen Piraten Mailing-Liste
veröffentlicht mit dem Hinweis “interessant”.
Dann passiert etwas, was weder gesteuert noch gezielt ist:
viele Leser besuchen die Seite und geben ggf. ganz
persönlich ihre Meinung preis, geben sich als Piraten oder
Nicht-Piraten zu erkennen. Die Wirkung mag “massiv” sein,
sie ist aber vielleicht nicht so beabsichtigt, sondern ergibt
sich aus der Summe der Engagements der Einzelnen. Könnte doch sein?
Ich habe Letztens verfolgen können, wie Amazon für 50,- EUR
eine neue, noch nicht erhältliche Windows Version zur
Vorbestellung anbot. Und was soll ich dir sagen: da gab’s
doch tatsächlich eine Gruppe, die Amazon dermassen “massiv
zugeballert” hat, fast wie bei “Leuten, die Manager
festsetzen” ;-).
Deine Anregungen für die Übertragung auf “das wirkliche
Leben” halte ich auch für sinnvoll, da gibt’s sicher viel zu
tun für die Piraten.
am 6. August 2009 um 01:20 uhr
Hallo Fifi, hallo Jan,
zuvorderst möchte ich in Richtung Fifi folgendes anmerken: Ich bin kein Mitglied der Piratenpartei und ich habe hier auch keine Position pro Piraten bezogen, sondern eine Position pro kleine Parteien. Es kann nun sein, daß mich mein Eindruck täuscht und die Aussage “dann würde ich mir aber eigentlich auch wünschen, die piraten würden bei solchen dingen, wie bei der xing-thematik, nicht nur nach “nehmt die piraten auf” schreien, sondern “nehmt alle auf”. das wäre wenigstens konsequent” nicht dazu diente, mich in diese Ecke zu drängen, allerdings frage ich mich dann, was der Satz in einem Beitrag zu suchen hat, der auf hellseherisch anzipatorische Art und Weise meine Ansicht voraussagen möchte (Was ich im übrigen auch für einen etwas unangenehmen Diskussionsstil halte).
Bzgl. Xing: Wie ich bereits sagte - ich nutze Xing nicht, kann also nur spekulieren, wie Xing intern aufgebaut ist und welcherlei Funktionalitäten es zur Verfügung stellt. In der Aufsplitterung: Etablierte ein eigenes Forum, alle anderen in den allgemeinen Politikteil sehe ich allerdings auch ein Problem und eine Verkürzung dessen, was wir hier diskutieren.
Meine Überlegung soweit:
Jedes Wort, jede Geste, jedes Bild hinterläßt einen Eindruck/eine Botschaft beim Rezipienten (Watzlawick - man kann nicht nicht kommunizieren). Und auch wenn ich kein Kommunikationswissenschaftler oder Mediendesigner bin, halte ich es für gerechtfertigt anzunehmen, daß bspw. eine Webseite auch zu ihren Besuchern “spricht” und Eindrücke vermittelt. An dieser Stelle schwenken wir bitte mal kurz in Richtung MeinVZ/StudiVZ auf deren Wahlzentrale: Zu Anfang waren dort nur die etablierten 5 vorhanden, dazu Interviews, Videos etc. . Die Frage, die sich jetzt für mich stellt ist: Welchen Eindruck vermittelt das? Wird da einseitig eine Stellungnahme für ein etabliertes Parteiensystem unter Ausklammerung von - möglicherweise - Alternativen abgegeben? Soll der Eindruck entstehen, daß die Wahl letztlich nur zwischen diesen 5 Parteien besteht? Was ist mit den Argumenten und Ansichten der Vertreter der kleinen Parteien, die - möglicherweise - interessante neue Blickwinkel ermöglichen oder gar ganz andersartige Lösungsansätze (wohlgemerkt: Womöglich!) anbieten. Aber wo kein breiter Austausch, wo kein Dialog möglich ist, wo nicht einmal “Alternativen” benannt werden, da ist auch kein kritischer Dialog über die Konstellation der 5 gesetzten hinaus möglich. Und weiterhin: Was bedeutet es eigentlich für den politischen Sozialisationsprozeß der Nutzerschaft der VZ Seiten (es ist ja eher eine jüngere Zielgruppe), wenn unsere Fünfparteienlandschaft als feststehend suggeriert wird. Und was bedeutet das, wenn die soziologischen Theorien zutreffen und unsere Gesellschaft zunehmenden Individualisierungs- und Pluralisierungstendenzen unterliegt?
Es ist also wie du schon sagtest eine Form der Darstellung und diese Form der Darstellung hat Einfluß auf die Akzeptanz bzw. kann auch eine Form des “Raushaltens” darstellen.
Ich empfehle einen Blick in Bourdieus Ausführungen hinsichtlich symbolischer Gewalt.
@Jan: Ich muß nicht mit Tauss kommen, da ich hier nicht für die Piraten argumentiere und das ganze auch eher universeller angehen wollen würde. Die Frage, die sich mir erstmal stellt ist, ob Druck nicht legitim ist, schließlich dürfte es sich bei den Druckverursachern um Xing-Nutzer handeln (zumindest gehe ich davon aus, daß nur Xing Nutzer auch an den dortigen Wahlen teilnehmen können - Korrektur erwünscht). Wenn dort also 90% Sonstige wählen, scheint zumindest seitens der Userschaft und Kundschaft der Wunsch zu bestehen, seine politischen Wünsche über den bestehenden Angebotsrahmen des Unternehmenes hinaus zu artikulieren und es obliegt dem Unternehmen, ob es sein Angebot gemäß den Wünschen seiner Nutzer anpassen möchte - was Xing scheinbar getan hat.
Das bspw. viele Kommentatoren dort sehr verkürzt und kurzsichtig argumentieren mißfällt mir auch und da bin ich ganz bei fifi: Diejenigen, die dort für die Piraten argumentieren, sollten sich auch nicht zu schade dafür sein, für die anderen kleinen Parteien (abgesehen von Extremen) zu argumentieren.
Was die 5%-Hürde angeht: Ich bin da gespaltener Meinung. Ich sehe die Vorteile der Regelung, aber auch deren Nachteile. Die Argumente die immer pro Hürde ins Feld geführt werden (Weimarer Verhältnisse, erschwerte Arbeit im Parlament) sind doch irgendwo ein ziemliches Armutszeugnis für die politische Landschaft.
Es besagt ja im Grunde nichts weiter als das
- die Politik unfähig ist in Zeiten der Gefahr für die Demokratie sich im Parlament zielführend und durch überzeugende Arbeit gegen extreme Auswüchse zu vereinigen
- die Wähler zu dumm sind demokratiefreundlich zu wählen (was ja letztlich wohl bedeuten könnte, daß in all den Jahren seit der Weimarer Republik kein gesellschaftlicher Reifeprozeß eingesetzt hat)
- das Politiker aufgrund von Fraktionszwang/Antipathien lieber das Parlament lahmlegen, als sich mit “politischen Gegnern” (nicht im Sinne von Extremen) zielführend und im argumentativen Dialog um die Probleme zu kümmern.
Andererseits sehe ich aber auch, daß all die Bekenntnisse an eine aufgeklärte, humanistisch oder christlich geprägte Gesellschaft oftmals nur Lippenbekenntnisse sind und diese Werte nicht gelebt werden.
Ich würde es begrüßen, irgendwann an den Punkt zu gelangen, an dem eine 5% Hürde nicht mehr notwendig ist, sehe bis dahin aber noch einen steinigen Weg. Bis dahin halte ich es aber für notwendig, zumindest abseits dieser 5% Hürde strukturelle Exklusionsbedingungen abzubauen.
am 6. August 2009 um 01:26 uhr
Ich war langjähriger FDP-Wähler, bis ich mich 1990 oder 1994, so genau weiß ich es nicht mehr, abwendete. Ich konnte die Partei nicht mehr mit meiner Stimme wählen, doch aber auch keine andere. Ich wurde Nichtwähler.
In der fraglichen Zeit des Sprunges der Piraten war ich einer der klickenden. Noch auf Arbeit im Büro sah ich es und nach ein paar Momenten konnte ich für “Sonstige” stimmen. Twitter, Meldungen auf Blocks, es werden einige so gehandelt haben.
Seit langem gehe ich erstmals wieder zu einer Bundestagswahl und ich freue mich darauf mein Kreuzchen zu setzen. Das erste Mal seit vielen Jahren.
Die Piraten mögen es hier und dort übertreiben, doch liegt es an den eigetnlichen Piraten? Ich denke nicht und die Piratenpartei kann dem schwer nur im Zaum halten. Ein Ventil ist geöffnet worden und nun entweicht der Frust, die Hoffnung, das Verlangen und der Drang nach zwingender Änderung… und dem von einfachen Menschen, von Bürgern, die so mit der Politik nicht mehr weiter machen wollen. Die Menge im Netz wirkt als Horde, Herde, Mob.
Doch organisiert und gelenkt ist das nicht, es sind alles einzelne Persönlichkeiten mit dem tiefen Wunsch, dass ENDLICH sich im Land etwas bewegt.
am 6. August 2009 um 04:18 uhr
Ein Tipp an den Autor: seitseid.de
am 6. August 2009 um 08:07 uhr
Wir Piraten sollen die FDP an ihren aktuellen Tätigkeiten messen?
Gute Idee, dann lasst uns mal nach Hessen schauen, wo die FDP gerade zusammen mit der CDU den freiheitsfeindlichsten Gesetzesentwurf der jüngeren deutschen Geschichte eingebracht hat, der z.B. die folgenden Punkte enthält:
1. Wiedereinführung des verfassungswidrigen Kfz-Massenabgleichs
2. Heimlicher Einbau von Wanzen und Kameras
3. Nutzung anlasslos gespeicherter Verbindungs- und Standortdaten
4. Unterbrechung des Mobilfunks
5. Bundestrojaner für Skype-Nutzer
6. Datenauslieferung an das Ausland
7. Körperliche Zwangsuntersuchung und -behandlung
8. Mehr Videoüberwachung
…
Beste Grüße
Sebastian Stiffel
(Landesliste MV, Platz 1)
am 6. August 2009 um 08:13 uhr
Der Rant ist naiv, weil ohne Belege von einer koordinierten Aktion der Piraten gegen Xing ausgegangen wird. Dabei ergeben sich Effekte wie das Überrennen einer Website auch von selbst, wenn sich innerhalb der Blogger-Szene in Windeseile die Nachricht verbreitet, dass die Piraten von Xing im Vergleich zu den anderen etablierten Parteien ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass manche Blogs ein sehr hohes virales Aktivierungspotential haben. Ein sogenannter Slashdot-Effekt, bei dem in einem vielgelesenen Forum ein Link genügt, um eine Website durch die hohe Zahl der lesenden Klicks lahmzulegen, wird noch um einiges dramatischer, wenn viele Blogs eine Website verlinken und die so aktivierten Leser auch noch an Diskussionen teilnehmen und abstimmen. Diesen Effekt der Piratenpartei als solche anzulasten erscheint nicht sinnvoll.
(Ich selbst bin kein Angehöriger der Piratenpartei, wurde aber durch den Heise-Bericht aufmerksam. Bekanntlich hat http://www.heise.de alleine schon ein sehr hohes Potential für einen Slashdot-Effekt.)
am 6. August 2009 um 08:34 uhr
Also mir sind die Piraten einfach zu eindimensional.
Die schießen sich da auf ein Thema ein (Internet und die Freiheit dort) und denken Sie hätten das Internet erfunden.
Wie sieht es bei der Piratenpartei mit Innerer Sicherheit, Energieversorgung, Arbeitslosigkeit, Geldpolitische Aspekte (besonders innerhalb der EU), Beitritt der Türkei in die EU, Hilfe für die dritte Welt/Entwicklungshilfe, Finanzkrise, Bildung etc aus?
Dazu hab ich noch wenig/gar nichts gehört…
Und damit kommt die Partei für mich in die Schublade “Sonstige” und auch so schnell nicht wieder raus. So wie die Rentner, die Spirituellen, die Bibeltreuen Christen und die ganzen anderen, die meinen ein Thema für sich gefunden zu haben und dass sie dort Herr im Haus sind.
am 6. August 2009 um 08:43 uhr
http://www.seidseit.de/
am 6. August 2009 um 08:46 uhr
muss heute erstmal arbeiten - kommentare/reaktionen dann später…
@seidseit: danke, wieder was gelernt
am 6. August 2009 um 09:17 uhr
Oh man, wenn man das liest, dann möchte man meinen du bist schlecht aufgewacht und draußen regnete es. Wie dem auch sei, möglicherweise stimmt das ja auch. Aber kannst du mir erklären, woher der Groll kommt?
Bei Xing werden bestimmt nicht nur Piraten sich der “Sonstigen”-Gruppe angeschlossen haben, was darauf schließen lässt, dass auch andere NICHTPiraten sich entschlossen haben, sich nicht den “etablierten” Parteien anzuschließen. Punkt.
Was die Piratenpartei damit zu tun hat, speziell ihre Mitglieder oder der Vorstand, das bleibt für mich im Verborgenen. Und Xing wird sind sicherlich um eine seperate Gruppe gekümmert haben, weil sie eben doch gemerkt hat, dass die Piratenpartei für viele eine ernstzunehmente Alternative darstellt. Was ist daran auch falsch? Sie sind eine zugelassene Partei für die Bundestagswahl 2009 und haben somit also alle Hürden genommen und genauso wie alle sog. etablierten Parteien auf den Wahlzetteln zu stehen. Und das sich viele Piraten im Internet tummeln, dürfte allein schon aus der Geschichte der Partei gegeben sein, dass das bei anderen Parteien anders aussieht, ist auch logisch, aber dadurch drängelt doch keiner, wenn der Weg frei ist, oder?
Und bitte, sieh dieses Kommentar jetzt nicht als Anlass dich wieder bestätigen zu müssen, denn wie oben schon mehrmal geschrieben wurde, ist es im Internet durch die dichte Blogging-Szene einfach normal geworden, dass Dienste so schnell besucht werden, weil sich die Nachrichten im Netz so schnell verbreiten.
am 6. August 2009 um 09:42 uhr
@fifi, du unterstellst uns ja geradezu das wir die aktion auf Xing organisiert oder sogar angeheitzt haben?
bei den Piraten ist es ja nunmal so das viele der anhänger online aktiv sind und selbstständig auf solche sachen stoßen, durch twitter trends ist sicher auch nachzuvollziehen wie es dazu kam das soviele leute plötzlich drauf aufmerksam geworden sind
Soziale netzwerke sind ideale anlaufpunkte um menschen von uns zu ueberzeugen und ihnen die möglichkeit zu bieten mit uns zu diskutieren … genau aus diesem grund setzen wir uns so sehr dafür ein das wir möglichst eberall vertreten sind!
Wir betreiben auch offline wahlkampf, der ist leider aber nicht so präsent weil uns einfach die finanziellen mittel fehlen! Wenn du ein paar tausender üprig hast würden wir ja auch eine beitrag im Tv ausstrahlen, überall wahlplakate aufhängen oder dauerinfotische einrichten … so muessen wir uns aber deutschandweit auf wenige tausend plakate beschränken!
@ mama, wenn du uns schon nur ein thema unterstellst das nenn es wenigstens richtig, wir stehen nicht für freiheit im internet, sondern für Freiheit gennerell, das betrifft nicht nur das internet sondern in erster linie dein ganz normales leben
Bildung haben wir üprigens im wahlprogramm, das zeigt mir das du dich gar nicht mit uns beschäftigen willst und sicher nur durch 3. ueber uns erfährst und es danach beurteilst
das wir nicht zu allen themen eine stellungnahme beziehen ist mir durchaus bewusst…. das wir deswegen für viele wähler unwählbar sind die ihre interesse derzeit in anderen regionen sehen auch, politik wär ja auch langweilig wenn sich immer alle einig wärn
Derzeit ist es aber so das dieses “eine” thema Freiheit bei den etablierten partein vernachlässigt wird, so kommt es nicht von ungefähr das wir uns so stark für das thema einsetzen und andere aspeckte wie wirtschaft vorerst bei den etablierten partein lassen! Du kannst auch nicht davon ausgehen das wir bei den ersten Bundestagswahlen soviele stimmen bekommen das wir mit einem von uns erstellten Wirtschaftssystem durchkommen würden? Wenn sitzen wir in der oposition… vorschläge werden dann auf unsere idiologie heruntergebrochen (thema freiheit, basisdemokratie, transparenz etc.) und dann diskutiert
auch wenn du selbst nach meiner ausführung noch gegen uns etwas hast hoffe ich das du wenigstens versuchst deine vorurteile abzulegen und dir gedanken zu machen was unser (derzeitiges!) ziel ist…
mfg Hive
am 6. August 2009 um 11:09 uhr
@Michael R.: Ich denke nicht, dass jemand ein Script benutzt hat, um die Umfrage zu manipulieren. In dem Fall wären nämlich deutlich mehr als die 12.000 Stimmen zusammen gekommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass tatsächlich sehr viele Menschen an dieser Umfrage teilgenommen haben, und das ganz ohne Aufruf der Parteispitze. Im Gegenteil: Genau so funktioniert das Web 2.0 doch, die klassischen Parteiführer haben doch gar keine wirkliche Kontrolle mehr über das Netz. Das ist doch der Grund, weshalb sich die großen Parteien so sehr im Online-Wahlkampf blamieren.
am 6. August 2009 um 11:19 uhr
Noch ein Kommentar an Fifi:
Ich denke auch nicht, dass irgendwelche Piraten versuchen, die Xing-Betreiber zu erpressen, wie du es teilweise unterstellst. Ich halte es aber für völlig legitim, wenn man seine Interessen gegenüber dem Unternehmen vertritt. Die Partei hat keinen Anspruch darauf, ein Parteiprofil zu bekommen, aber sie hat das Recht, ein Parteiprofil zu fordern - das ist Meinungsfreiheit. Xing ist nicht verpflichtet, die Piraten aufzunehmen. Offenbar hat sich Xing aber freiwillig dafür entschieden. Wo ist hier das Problem? Ich sehe auch nicht, dass jemand versucht hätte, die Plattform “abzuschießen” oder Ähnliches, sondern es gab einfach durch Twitter, durch Blogs, durch die schnelle Netzkommunikation einen spontanen Ansturm auf die Seite.
Ich finde, durch solche Aktionen zeigt sich vor allem, dass es einige Hundert Piratenwähler gibt, die sich sehr aktiv im Web 2.0 vernetzen. Und das nutzen sie auch. Ich würde mich im Übrigen freuen, wenn sich auch andere Parteisympathisanten, z.B. SPDler, CDUler oder Grüne, sich auf diese Weise vernetzen würden. Unabhängig davon, ob ich deren politische Positionen teile.
am 6. August 2009 um 11:55 uhr
Wer gefragt wird, darf auch antworten, das hat doch nichts mit «zuballern» zu tun! Worum ging’s denn: XING macht ein Forum auf, und die einzige Gruppierung, die in solchen Foren ein wichtiges Instrument der politischen Meinungsbildung sieht, ist nicht dabei, ausgeschlossen durch höchst fragwürdige Kriterien wie «wir wollen Radikalen keine Plattform bieten».
Ja, gehts noch? Alles was nicht im Bundestag sitzt, ist automatisch radikal?!
Das fordert den Protest doch geradezu heraus.
am 6. August 2009 um 12:53 uhr
weil das hier mehrfach angesprochen wurde, nur mal schnell zwischendurch:
mir braucht niemand erklären, wie virale mobilisierung funktioniert. und wenn ein server in die knie geht, dann vielleicht auch schlichtweg wg. überfüllung. darum geht es mir auch gar nicht.
ich (und damit bin ich nicht allein) habe aber mit zwei dingen bauchschmerzen:
1. die unbedingtheit, mit der die piraten für sich in anspruch nehmen, “zu den grossen dazuzugehören”, nur weil sie sich selbst als “die internetversteher” darstellen, schreckt mich ab. das ist mir pers. zu laut, zu krawallig- und mit verlaub: für 0.9% ne ecke zu viel des guten. (*)
2. die online-mobilisierung der piraten wird von vielen als beleg angeführt, wie toll organisiert und wie direkt am thema man ist. nur: politisch relevant ist das alles nicht. weil man sich im (politischen) netz doch eh nur unter bekannten trifft.
wahlen werde da draussen gewohnen, im offline. der kater wird um so grösser werden, je mehr man sich online selbst in die tasche lügt.
(*) nachtrag: es wäre mir auch bei 20% oder dergleichen zu viel des guten. es ist nicht gut, wenn eine gruppe derart laut auftritt, dass man den anschein hat, es gäbe sonst niemanden. das stimmt fürs netz schon nicht (nur sind andere offensichtlich nicht so vehement) - und im offline ist es eh anders…
am 6. August 2009 um 18:16 uhr
Sorry, aber deine Aussagen sind ganz schön arrogant. Und als jemand, der sich als Blogger bezeichnet, hätte schon etwas aufgeschlossenere Aussagen erwartet.
1. Du verbreitest eine Unterstellung nach der anderen. Die Behauptung, die Piraten haben die Seite abgeschossen ist Blödsinn. Wenn, dann hat eine Person die Seite abgeschossen, aber selbst das ist noch nirgends zu lesen oder? Die Piraten “nehmen für sich in Anspruch zu den grossen dazuzugehören” Wer hat das denn behauptet? Jemand aus der Partei? Nicht dass ich wüsste. Und so geht das von Post zu post…
Der einizge Anspruch besteht darin, dass man alles daran setzt die 5% Hürde zu nehmen und dass man versucht sich in den On- und Offline Medien Gehör zu verschaffen. Was ist daran “krawallig”? Nur weil manche Sympatisanten wenig diskussionswürdig posten, ist das doch kein Argument gegen die Partei an sich…
2. Es ist ja schön, dass du dir Sorgen machst, die Piraten würden sich mit dieser auf dieser Fokussierung auf Onlinewelt die wichtigen Stimmen verschenken.
Aber wie kommst du - und viele andere - zu dieser Schlussfolgerung und dazu die Piraten aufzurufen ihre “ganze mobilierungskraft auch mal darauf verwenden, die wähler (ausserhalb des netzes)” oder zu der Aussage “Wahlen werde da draussen gewohnen, im offline” ?
Nur weil es früher immer so war? Weil keine Partei sich bisher um eine gute Online Kampagne gekümmert hat?
Wie hoch ist der Prozentsatz an Onlinennutzern unter den Wählern? 85%? Und bei der Haupt Zielgruppe der Piraten? 98%? Wen erreichen die Piraten also nicht in einem Online Wahkampf? Wer sind diese ominösen “Offline Bürger” die das Netz nicht kennen und die Wahl entscheiden?
Meines erachtens wird bei den Piraten viel zu viel Aufwand betrieben, Stände aufzubauen, um in vielen, vielen Städten vor Ort präsent zu sein, für Fernsehspots und Plakate, so dass der Online Wahlkampf sogar etwas vernachlässigt wird. Und das obwohl hier die Basis zu finden ist, die eine breite Unterstützung bietet.
Aber es scheint wohl daran zu liegen, dass die Parteimitglieder tatsächlich begeistert bei der Sache sind. Sie wollen sich präsentieren und ihre Ideale öffentlich vertreten.
So. Wie sollten wir uns hierbei nun “verrennen”? Jeder Unterstützer zählt. Und die “Netzbürger” sind nicht so weltfremd wie du sie hinstellst.
Je mehr Mobilisierung desto besser, je größer das Momentum, umso eher lässt sich dies bis zur Bundestagswahl halten.
am 7. August 2009 um 00:27 uhr
Vorhin bei twitter nen link zu nem Juli Argu-Liner seitens der Piraten gesehen. Hat den Eindruck von ‘Empoerung’ gemacht - dabei gibt es zig Arguliner, in denen die Position aus Partei- Grundsatz- Wahlprogrammen etc. fuer die politische Arbeit zusammengefasst wird.
Werden die Piraten vielleicht auch mal haben, wenn sie irgendwann eine feste politische Groesse werden wollen. - Derzeit ist die Grenze zwischen buergerrechtsansinnen und knallharter Lobbypartei einiger junger Internetuser noch zu fliessend.
am 7. August 2009 um 11:37 uhr
Fifi: “die online-mobilisierung der piraten wird von vielen als beleg angeführt, wie toll organisiert und wie direkt am thema man ist. nur: politisch relevant ist das alles nicht. weil man sich im (politischen) netz doch eh nur unter bekannten trifft.”
Ehrlich gesagt sehe ich das anders. Es mag einige Blasen im Internet geben, wo das tatsächlich der Fall ist - beispielsweise innerhalb einer großen Twitter-Szene. Aber es gibt Bereiche im Internet, wo auch die Piraten noch längst keine Mehrheit darstellt. Ich denke, dass genau die großen sozialen Netzwerke (Facebook, StudiVZ) voll sind mit a) unpolitischen Menschen und b) Menschen, die nicht mit den Piraten sympatisieren. Bei Xing ist das noch extremer, weil dieses Portal sich explizit an Geschäftsleute richtet und sich somit auch die Zielgruppe verschiebt. Insofern denke ich schon, dass dieses Online-Auftreten für die Piratenpartei lohnenswert ist.
Davon abgesehen sollte man der Parteiführung schon raten, im Wahlkampf vor allem auf Offline-Wahlwerbung zu setzen. Denn wie wir sehen, ist der Online-Auftritt schon zum Selbstläufer geworden, den man kaum noch kontrollieren kann. Die große Internetpräsenz ist für die Piraten ein Alleinstellungsmerkmal, das sie interessant macht, vor allem für die Medien. Wenn die Piraten sich jetzt noch etwas von der CDU-Ortsverband-Strategie abschaut, könnte sich das gut entwickeln. Ich rechne damit, dass die Piraten bei den Landtagswahlen je min. 1 Prozent holen und bei der Bundestagswahl um die 3-4% bekommen.
am 7. August 2009 um 13:28 uhr
> mir braucht niemand erklären, wie virale mobilisierung
> funktioniert
Gut. Und warum nur argumentierts du dann so (”kanäle mit eurer massivität zuzuballern”, “gleichen werkzeuge, wie bei den leuten, die manager festsetzen”)? Deine Behauptungen sind für mich nicht nachvollziehbar.
> ist mir pers. zu laut, zu krawallig
Du bist natürlich nicht verpflichtet konstruktive Kritik zu üben, aber könntest du’s hier?
> es ist nicht gut, wenn eine gruppe derart laut auftritt
Das ist ‘ne Wahrnehmung von jemandem, der es eben so wahrnimmt (über die Schlußfolgerung will ich hier gar nichts sagen). Wenn ich mir im Einzelnen Beiträge von vermeintlichen und bekannten Piraten ansehe, dann findet man den gesamten Querschnitt, der auch an anderer Stelle im Internet oder im “Offline” Leben zu finden ist (Ton, Aufgeregtheit, inhaltlicher Beitrag, etc.). Alles Zusammengenommen mag das ja auf dich wie eine “Gruppe” wirken, aber es sind i.d.R. immer nur einzelne Personen.
Sieh dir z.B. mal die Kommentare zu diesem Beitrag an: gibt’s hier eine Gruppe Piraten? Wer ist das? Nehmen die sich selber (hier im Blog) als Gruppe wahr? Gehöre ich dazu? Was ist der Unterschied zu Kommentaren auf andere Beiträge in deinem Blog? Ist dir das schon zu “laut”? Wenn nicht hier, warum dann woanders? Wenn doch, warum hast du den Beitrag dann überhaupt veröffentlicht (man muss ja nicht alles sagen, vielleicht könnte das jemand ja als “zu laut” stören)? Wenn du ihn schreiben musstest, warum hast du nicht die Kommentarfunktion abgeschaltet? Wenn du sie nicht abschalten wolltest, warum hast du dann so viele Kommentare freigegeben? Ist dein Blog vielleicht eine Plattform, die das Auftreten einer “derart lauten Gruppe” überhaupt erst ermöglicht? Ist dein Denken mit deinem Handeln in Übereinstimmung?
am 14. August 2009 um 00:52 uhr
Lieber Marcus,
1. du behauptest, die Piraten würden so tun als würden sie zu den Großen gehören. Wie macht man das denn, “so tun”?
2. 95% der 14-19-jährigen sind täglich online. Etwa drei Viertel der 20-30-jährigen auch.
3. Eins der Themen der Piratenpartei ist die Überwachungsstaat-Debatte. Es ist wohl das Thema, das die meisten Unterstützer der Piraten hervorbringt.
4. Die Tatsache, dass die Piraten dort innerhalb allerkürzester Zeit so viel Zuspruch geerntet hat (im Moment liegt sie bundesweit bei 2-3%), ist wohl kaum ihr vorzuwerfen. Vielmehr glauben offensichtlich sehr viele Menschen nicht (mehr) daran, dass andere Parteien (allen voran die FDP und die Grünen) dieses Thema im Sinne dieser Menschen angeht. FDP und Grüne können noch so viel in ihre Parteiprogramme schreiben: Past behavior is the best predictor of future behavior.
5. Die Piratenpartei beschränkt sich auf sehr wenige Themen. Ich behaupte mal ganz plump und ohne es beweisen zu können: Die objektive Expertendichte bezüglich der relevanten Themen ist bei den Piraten höher als bei allen anderen deutschen Parteien.
6. Anderen “Lautheit” vorwerfen, aber beim Schäuble-Remix mit einer ordentlichen Portion Denunziation dabeisein. Sehr, sehr konsequent, muss ich schon sagen.
7. Ich glaube nicht, dass die Piraten in ihrer jetzigen Formation eine langfristige Überlebenschance haben. Vielmehr sehe ich ihren Zweck darin, die einen etablierten Parteien (FDP und Grüne) dazu zu bringen, nicht nur immer große Töne zu spucken, sondern endlich auch mal wieder (mit Regierungsbeteiligung!!!) freiheitlich zu handeln; auf der anderen Seite den anderen etablierten Parteien (CDU/CSU und SPD) ebenfalls die Augen zu öffnen, in was für eine (demokratie-)gefährdende Richtung sie im letzten Jahrzehnt gerannt sind.
PS. Ich werd hier nicht wieder reinschauen. Reaktionen von fifi bitte an die angegebene Emailadresse.