mein (kleines) persönliches olympia-fazit

tags: , , , , , ,

ich war vor den spielen sehr skeptisch, ob eine differenzierte berichterstattung während der spiele möglich sein würde, und wurde leider bestätigt. denn zwei wochen voller (teilweise verwunderlicher) rekorde, sportler-schicksalen und ach so freundlichen chinesischen gastgebern haben kaum zeit und möglichkeit gegeben, den blick von der goldenen olympia-käseglocke auf das restliche china gleiten zu lassen. zumindest wäre mir das in der berichterstattung nicht aufgefallen.

olympia - das ist schon eine schizophrene veranstaltung. so gesehen warem die spiele in peking absolut passend.

ich gebe gerne zu, gerade als sportinteressierter mensch habe ich bei so manchem wettkampf mitgefiebert und am ende war die faszination olympia doch grösser, auch wenn man den chinesen eigentlich keine sendeminute extra gönnen wollte - mal davon abgesehen, dass man tagsüber eh kaum zeit und möglichkeit hatte, live zu schauen…

trotzdem ist es zunehmend scheinheilig, von “sauberen” spielen zu reden. diese rekord-flut kann mir doch keiner mehr mit besserer “leistungsdiagnostik” oder ach so tollen anatomischen voraussetzungen erklären. meine persönliche einschätzung: es wird gedopt bis der arzt kommt - wenn auch höchst wahrscheinlich wesentlich intelligenter, als noch vor 10 oder 20 jahren. und hoffentlich auch mit weniger gesundheitlichen folgen…

in diesem kontext muss man sich in deutschland auch fragen, ob man sich diesem doping-wettbewerb wirklich stellen will!? spitzensport zu fördern ist sicher richtig und wichtig, aber daraus auch gleich den anspruch abzuleiten, diesen oder jenen platz im medaillienspiegel erreichen zu müssen, würde ich doch zur diskussion stellen.

also was bleibt von dieser olympiade?

ja, die spiele haben wieder fasziniert, und ich freue mich schon auf 2012… dann werde ich vielleicht auch einfach mal urlaub nehmen, hinfahren oder zumindest mehr zeit für die live-berichterstattung haben. diese faszination macht sich aber zunehmend an den sportler, ihren leistungen, ihren emotionen, ihren geschichten fest. siehe den matthias steiner, um nur mal ein beispiel zu nennen.

das ioc hingegen hat wieder nichts gelernt, denn diese ach so perfekten spiele hinterlassen bei mir einen faden beigeschmack. provokant gesagt: vor 72 jahren gab es schonmal “perfekte” spiele, man hat sich mit “deutschem gruss” der regie eines systems unterworfen, wie diesmal der internet-zensur. und in beiden fällen nutzten potentaten die spiele, um ein von repräsalien geprägtes land als “weltoffen” darzustellen.

das hätte man vor 7 jahren bei der vergabe der spiele schon wissen, zumindest ahnen können. das man während der olympiade aber auch keinen einzigen kritischen ton von herrn rogge gehört hat, passt durchaus ins bild. besser wird es dadurch nicht.

last-not-least:
nach diesen spielen muss man befürchten, dass mittelfristig segeln als olympische sportart abgeschafft wird. für einen sport, den kaum ein mensch nachvollziehen kann, eine extra hafenanlage errichten zu müssen, ist die eine hürde. wenn dann die wahl auch noch auf so ein bescheidenes revier fällt (algenpest, meist kaum wind…), kann man es eigentlich keinem sender verübeln, diese wettbewerbe weitestgehend zu ignorieren - wie zumindest von den deutschen öffentlich rechtlichen.

ard und zdf sind ja auch beim americas cup ruck-zuck ausgestiegen, als es ein paar tage flaute gab. braucht man sich also nicht wundern, dass nur eins-festival mal länger von den finals der 49er und der tornados (die wohl in london das letzte mal dabei sein werden) berichtet hat - wenn auch mit aberwitzig schlechter moderation. naja, man kann nicht alles haben…

einen kommentar schreiben