gewaltproblem in leipzig

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ich hab wirklich ein paar tage mit mir gerungen, ob ich das thema überhaupt gross aufgreifen will, denn zum einen ist es schon fast pietätlos, den opfern gegenüber, und zum anderen will man die stadt, in der man sich eingelebt hat und sich heimisch fühlt, nicht auch noch extra an den pranger stellen.

aber es hilft ja nichts: leipzig hat offensichtlich ein gewaltproblem!

nicht nur, dass es am wochenende zu einer massenschlägerei mitten im zentrum kam, ein unbeteiligter erschossen und ein security-mitarbeiter schwer verletzt wurde. darüber wurde in den letzten tagen an vielen stellen berichtet (überregional zb im spiegel und in der taz, aber natürlich auch vor ort in der lvz, wo auch mit teils kruden argumenten diskutiert wird…).

höchst wahrscheinlich als direkte folge der krawalle vom wochenende stand am montag abend auch eine sporthalle in flammen und brannte vollständig aus.

leider muss man auch die randale über sylvester am connewitzer kreuz ins gedächtnis rufen. hier war die polizeit aufgrund einer gewissen “routine” zwar immerhin vorgewarnt, aber auch hier war die überregionale berichterstattung kaum zu vermeiden.

nichtmal ansatzweise vorgewarnt waren hingegen die fussball-fans vom fc sachsen leipzig, deren weihnachtsfeiern von mutmasslichen lok-fans überfallen wurden. richtig, auch hier wieder berichte weit über leipzig hinaus, was die problematik auch deutlicher werden lässt. es sind eben nicht nur ein paar schlägereien zwischen rivalisierenden fans. vielmehr handelt es sich um gewaltexzesse, die eben auffallen, auch über leipzigs grenzen hinaus.

bereits damals hatte ich die haltung des sport- und ordnungsbürgermeisters kritisiert, denn er hatte doch tatsächlich verlauten lassen, es gäbe kein gewaltproblem bei den leipziger fussball-fans, nur um kurz danach relativierend zurück zu rudern. nur am rande, und eher rethorisch: gab es da nicht noch viel grössere fussball-randale vor ziemlich genau einem jahr !?

zu den jüngsten vorfällen sind die äusserungen aus dem rathaus nicht viel besser:

Ein Fehlverhalten der Polizei könne er nicht erkennen. “Die Kollegen haben nach ihren Kräften reagiert”, erklärte Rosenthal. (via lvz)

und:

Ihre Verantwortung liege darin, die Zuverlässigkeit der Security-Firmen zu kontrollieren, sagte Stadtsprecher Steffen Jantz. „Und dieser werden wir vollumfänglich gerecht.“ Gewalttätige Ausschreitungen lägen in der Zuständigkeit der Polizei. Darauf habe sich die Stadt mit dem Landespolizeipräsidenten verständigt. (nochmal via lvz)

es wird weiter relativiert und die schuld bei anderen gesehen. als ob das rathaus mit den ganzen vorfällen nichts zu tun hätte. es braucht einen engagierten ordnungsbürgermeister in dieser stadt, der sich auch erkennbar dafür stark macht, dass die bürger ohne angst in die diskos oder zu fussball-weihnachtsfeiern gehen können, und niemanden, der solche exzesse auch noch kleinzureden versucht.

die jungen liberalen haben auf diese problematik bereits aufmerksam gemacht. wenn nun der oberbürgermeister mehr polizeikräfte für leipzig einfordert, geht das zwar in die richtige richtung. auf ein konzept, wie die verschiedenen gewaltprobleme auch wirklich dauerhaft gelöst werden können, werden die leipziger wohl vergeblich warten.

meine grösste hoffnung ist allerdings für den augenblick, dass sich die lage bald wieder beruhigt.

wirklich gut stehen die chancen leider nicht. denn die nazis haben das thema direkt für sich entdeckt und wollen am samstag demonstrieren, was wiederum die linken auf den plan ruft. und am sonntag spielt auch noch lok gegen den fc sachsen leipzig ii. na das kann ja alles heiter werden.

was sollen eigentlich die vielen tausend gäste, die am wochenende die buchmesse und “leipzig liest” besuchen werden, von der einstigen heldenstadt halten. die werden wohl zu recht fragen, was eigentlich aus der friedlichen revolution geworden ist.

weitere infos:

  • bei heldenstadt.de wurden direkt am wochenende bereits mit wilden kommentaren um sich geworfen, das ist aber inzwischen bereinigt.
  • l.e. security, einer der beiden grossen sicherheitsfirmen in leipzig, hat eine sehr ausführliche pressemitteilung herausgegeben, obwohl nach eigenen angaben nicht in die krawalle verwickelt.
  • stefan hat die auswirkungen der verstärkten polizeipräsenz kurz beschrieben.

3 reaktionen zu “gewaltproblem in leipzig”

  1. .peter

    Na aber so richtig erstaunlich ist das hohe Konfliktpotential im Osten ja nun nicht. Sicherlich, das ist keine Entschuldigung fürs Randalieren, aber die Gewalt an sich ist ja nicht ihre eigene Ursache … die Hintergründe gerade bei den Fussball- und Feiertagslkrawallen sind doch ganz andere.

  2. fifi

    die summe der ausschreitungen übersteigt aber jedes sonst bekannte mass. wenn dies dann ausgerechnet von den verantwortlichen in der stadtverwaltung auch noch relativiert wird, ist das einfach total fehl am platz.

  3. Chemieblogger

    @ .peter: vielleicht nicht unbedingt “so erstaunlich”, aber in den letzten jahren kulminieren gewaltexzesse in leipzig regelrecht. und es sind nicht selten dieselben, die zu verschiedenen events randalieren. und es ist definitiv so: öffentliche stellen versagen auf der ganzen linie. skandalös.

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